Foto: Texte überarbeiten

Effektive Textüberarbeitung in 5 Schritten

Texte zu schreiben, ist einfach. Alles, was du tun solltest:

  • Bringe dich in die richtige Stimmung.
  • Schaff eine inspirierende Atmosphäre.
  • Finde dein Thema.
  • Strukturieren die Ideen.

oder

  • Schreibe einfach drauflos!

Auch das geht. Es gibt viele verschiedene Strategien, gute Texte zu verfassen. Wer von der Muse geküsst wird, soll es geniessen und dann mit der Arbeit beginnen. Jedoch: Schreiben ist keine angeborene, vererbte, von Musen, Gott oder weiss ich wem geschenkte Begabung: Schreiben kann man lernen. Am besten durch Schreiben. Denn auch hier gilt: Nur Übung bringt uns weiter.

Sicher ist: Ein Text als Rohfassung ist mit etwas Übung schnell aufs Blatt gebracht. Die grosse Herausforderung kommt danach: Textüberarbeitung.

Jaja, meine Lieben: Schreiben, das klingt nach Musse, Kunst und Kreativität. Texte für LeserInnen fit zu machen, Texte zu überarbeiten, das klingt nach dem, was es ist: Arbeit. Knochenarbeit. Und da hört für viele der Spass wieder auf.

Das muss nicht sein:

Hier sind 5 Tipps, die dir die Textüberarbeitung erleichtern.

1. Drucke den Text aus.

Am Computer oder Laptop zu schreiben ist wunderbar, am Bildschirm zu lesen – mühsam. Kommt hinzu: die Gefahr, dabei Fehler oder Mängel zu übersehen ist gross. Und alle, die schreiben, werden es dir bestätigen: Es ist viel einfacher, einen fremden Text zu beurteilen als die eigene Arbeit kritisch zu betrachten.

Umso wichtiger ist es, wenigstens formal eine Aussensicht einzunehmen. Der Weg zum Drucker lohnt sich. Auf einem Blatt Papier nimmst du deinen Text ganz anders wahr. Du liest aufmerksamer und mit etwas Distanz. (Sie genügt noch nicht ganz; siehe Punkt 2.) Und jetzt nimm den Stift und streiche, ergänze, korrigiere, formuliere um und kürze, kürze , kürze, dass es eine Freude ist. Sei unerbittlich, ja hemmungslos – nur zu, nur zu! Es ist dein Entwurf und damit er zum grossen Wurf wird, braucht es das grosse Jäten (siehe Punkt 5).

2. Schlafe darüber – oder mach zumindest eine Pause.

Nicht immer wirst du die Zeit dazu haben. Doch wenn du kannst: Schaffe zeitliche und sogar örtliche Distanz zu deinem Text. Geh eine Zigarette rauchen oder – wesentlich gesünder – geh aufs Klo. Erledige die Post, ein Telefongespräch oder hol dir einen Kaffee.

Wenn du zurückkehrst, hat dein Geist etwas Abstand genommen und die Augen sind frisch und offen. Sofort entdeckst du umständliche Sätze. Formulier sie um, kürze! – Tippfehler springen dir jetzt ins Auge, unnötige Phrasen stören und du machst dich entschlossen auf, deine Textarbeit zu optimieren.

3. Lese den Text laut.

Die beste Schreibe klingt so glatt wie man gut spricht (das wusste schon Goethe): ohne komplizierte Wendungen, klar, deutlich und direkt. Darum: Lese deinen Text laut. Du wirst schrille Phrasen, gestelzte Wortkonstruktionen, komplizierte Schachtelsätze oder sinnlose Ausschmückungen heraushören und dann – mit Elan! – streichen. Dein Text wird gewinnen und du die Herzen deiner LeserInnen.

4. Versetze dich in dein Publikum

Liebst du Rollenspiele? – Ich auch nicht. – Dabei sind sie oft so hilfreich. Auch bei der kritischen Bewertung deiner Texte. Tue so als ob: Versetze dich in dein Zielpublikum oder noch besser in eine einzelne Person, die du mit deinem Text erreichen willst.

Prüfe aus dieser Publikums-Perspektive:

  • Erfährst du alles, was du vom Inhalt erwarten?
  • Sagst du etwas Neues, das der Leserin, dem Leser Nutzen bringt?
  • Kommt der Text auf den Punkt oder langweilst du dich als LeserIn schon nach dem zweiten Absatz?
  • Macht dir eine Formulierung besonders Eindruck?
  • Erlebst du das „grosse Wow“ oder bleibt der Text nur einfach flau?

Notieren dir deine Gedanken. Lobe dich selbst, applaudiere, freue dich über Gelungenes. Und wo nötig: Ändere, verbessere – und gib so dem Text den letzten Schliff!

5. Sei gnadenlos!

Oh, noch bist du nicht am Ende. Gib dich nicht zu früh zufrieden. Nochmals eine kurze Pause und dann: Auf geht’s; den Stift gewetzt! Glaube mir: Der Text ist immer noch zu lang. Du kannst ihn noch verdichten. Noch findest du Potenzial. 

Das klingt so brutal: Kappe die Worte, vertreibe Floskeln, stutze Silben, zerstückele Schachtelsätze und mach daraus zwei kurze. Textüberarbeitung ist zuweilen wie harte Gartenarbeit: Alles Unkraut muss weg, damit die Blumen zur Geltung kommen. Das Laub gehört in den Kübel, damit der Weg frei ist und die Wiesen zum Flanieren einladen. Hacke dich durch den Text und räume auf – aber gründlich.

Brauchst du ein paar Tipps, wie man das macht? Bitte sehr:

  • Kürze die Absätze – vier bis fünf Sätze sind genug.
  • Komme auf den Punkt und reduziere den Satz aufs Wesentliche.
  • Nutze die Kraft der Verben.
  • Vermeide zu viele Adjektive und Adverben.
  • Kämpfe um den richtigen Begriff und schreibe anschaulich.

„Schreiben ist leicht – man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ So wird der amerikanische Schriftsteller Mark Twain immer wieder zitiert. Ich bin sicher, auch er hat sie nicht beim ersten Schreiben einfach weggelassen. Bei der Überarbeitung erst hat er sie gestrichen oder ersetzt durch die richtigen. Und wenn er dabei auch geschwitzt und geflucht haben mag: Es hat sich gelohnt.  Findest du etwas nicht?

Schreib hier, wie du deine Texte optimierst und das Beste aus ihnen rausholst. Ich freue mich auf deine Inputs.

Vielen Dank fürs Weitersagen.

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