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Out of Office: Wie sage ich’s meinem Kunden?

Autoreply kommunikativ nutzen

Ferienzeit – und keiner liest mehr die E-Mails. So steht es zumindest in mancher Abwesenheitsmeldung: „Ich bin vom 20. Juli bis und mit 18. August in den Ferien. Ihre E-Mail wird nicht gelesen und auch nicht weitergeleitet.“ Ist denn wirklich das ganze Unternehmen im Urlaub? Oder sind wir alle einfach unersetzlich? Und warum nutzt man diese automatischen Antworten kommunikativ nicht besser? 

Wie war das früher, als noch nicht alle ihren eigenen Computer und E-Mail-Account hatten? Wurden damals während der Ferienzeit auf wichtige Briefe mit einem Hinweis geantwortet, dass die zuständige Person gerade im Urlaub ist? Wohl kaum. Erwartete auch niemand.

Meistens waren ja genug Kollegen und Kolleginnen im Team, die noch wussten, was der oder die andere machte und den Job für zwei, drei Wochen übernehmen konnten. Zumindest Auskunft konnten wir geben, einfache Fragen beantworten, freundlich noch einen schönen Tag wünschen… Okay, das könnte die Autoreply auch tun. Tut sie aber oft nicht.

Warum nicht ein wenig charmant?

Erstaunlich, wie plump – manchmal sogar schroff – diese automatischen E-Mail-Antworten formuliert sind. Ich stelle mir derart lieblose Nachrichten manchmal personifiziert vor; beispielsweise als Vorzimmerdame von früher: Mein Gott: Was für ein Reibeisen!

Erstaunlich auch, dass sich viele nicht die Mühe machen, ihre automatische Nachricht nach üblichen Corporate-Vorgaben und mit kompletter Signatur zu formatieren. Eine schnodderig gekritzelte Notiz teilt mir mit, dass im Moment gar nichts zu wollen ist. „Am 18. August bin ich zurück im Büro.“

„… und du nerviger Mensch; schau, wo du bleibst, bis ich dann meinen E-Mail-Berg abgetragen habe“, denkt der Empfänger. 

Kundenpflege findet im Alltag statt – auch mit Worten

Wie viel Geld wird laufend investiert in aufwändige Kampagnen, Mailings, Imagebroschüren und Internetseiten-Texte, um Kunden zu gewinnen und Beziehungen zu pflegen? Da wird behauptet:

  • Wir engagieren uns täglich für Ihre Zufriedenheit!
    (Oja, leider! Sehr oft beginnen solche Floskeln mit dem Wörtchen „wir“.)
  • Wir geben alles für Ihren Erfolg!
  • Wir begleiten Sie…
  • Wir unterstützen Sie…
  • Wir lieben es, für Sie die beste Lösung zu finden!
  • Wir sind immer für Sie da!

… und dann ist plötzlich Ferienzeit und alles ganz anders : „Sorry, wir sind dann mal weg und du bist uns so etwas von egal.“

Empathie und etwas Schreibkompetenz

Dabei braucht es so wenig:  Etwas Aufmerksamkeit, natürliche Freundlichkeit , Empathie und ein wenig Schreibkompetenz von allen, die im Alltag kommunizieren. Damit wäre schon viel getan, um die zurzeit so oft zitierte „perfekte Customer Experience“ zu bieten. Und zwar ganz beiläufig, ohne viel Aufwand: beispielsweise beim Schreiben einer automatischen Antwort per E-Mail.

Gezielt kommunizieren mit Abwesenheitsmeldungen

Wenn die E-Mail wirklich nicht weitergeleitet (und bearbeitet) werden kann; okay. Sei’s drum. Dann nutzen Sie wenigstens die Chance, die Investitionen für Marketing und Kommunikation Ihres Unternehmens einfach und effektvoll zu unterstützen: Mit einer informativen und charmanten E-Mail-Antwort.

So kann es klappen:

Pflicht

  • Bedanken Sie sich für die Nachricht.
  • Informieren Sie klar; vor allem, wann Sie wieder zurück im Büro und erreichbar sind.
    (Das ist relevanter als die Info, von wann bis wann Sie abwesend sind.)
  • Freuen Sie sich, so bald wie möglich zu antworten.
  • Wünschen Sie eine schöne Zeit.
  • Formatieren Sie die automatische Antwort wie ihre üblichen E-Mails – mit Signatur und vor allem mit einer allgemeinen Telefonnummer für allgemeine Fragen.

Kür

  • Geben Sie einen Stellvertreter, eine Stellvertreterin an.
  • Nutzen Sie die Chance und machen Sie auf relevante Neuigkeiten aus der Firma aufmerksam, wie Messedaten, Produktlancierung, Events usw.

Für Dummies

  • Terminieren Sie Ihre Autoreply oder deaktivieren Sie sie manuell, wenn Sie wieder zurück sind.

Frühzeitige Ferienankündigung

Man sagt ja in der Regel Bescheid, wenn man später weg ist. Ihr Chef will es mit Sicherheit wissen, oder? Idealerweise kündigen Sie auch direkten Partnern und Kunden frühzeitig Ihre Ferien an. Dabei haben Sie Gelegenheit, Danke zu sagen für die angenehme Zusammenarbeit, einen schönen Sommer zu wünschen und und und… (Vergessen Sie nicht: All business is personal.) Vor allem aber: Sie können offene Fragen noch vor Ihren Ferien klären. In diesem Fall hätte auch Ihre Stellvertretung weniger zu tun, wenn Sie denn eine hätten 🙂

Einen wunderschönen Sommer wünsche ich Ihnen – ob zu Hause oder in den Ferien.

Apropos: Wie informieren Sie, dass Sie Ferien haben? Gibt es in Ihrem Unternehmen fixe Sprachregelungen dafür? Oder kennen Sie besonders originelle Out-of-Office-Meldungen?

Ich freue mich auf Ihre Inputs im Kommentar.

 

 

 

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Leeres Blatt

So überwinden Sie Schreibblockaden.

Egal, ob Sie Profischreiberin oder Hobbyautor sind, ob Sie studieren oder bloggen, ob Sie beruflich oder künstlerisch schreiben – es kann auch Sie treffen: Nichts geht mehr und die Worte stecken irgendwo fest im Hirn. Schreibblockade! Dieser Stau kann viele Ursachen haben und es ist sinnvoll, diesen auf den Grund zu gehen. Je besser Sie den Schreibprozess verstehen, Ihr persönliches Schreibverhalten kennen und wissen, was für ein Schreibtyp Sie sind, umso schneller können Sie Schreibstaus lösen.
Hier sind 7 Nothelfer-Tipps:

1. Zerschreiben Sie die Blockade

Ja: Schreiben Sie über Ihre Blockade. Ärgern Sie sich wortstark über Ihren Schreibstau. Schreiben Sie, dass nichts geht und stellen Sie Vermutungen an, warum das so sein könnte. Beschreiben Sie, wie sich das anfühlt, wenn einem nichts einfällt. Wie kalt das weisse Blatt sie herausfordert, wie Sie das Blinken das Cursors am Bildschirm nervt. Lassen Sie sich aus und fluchen, klagen, spotten Sie ohne Punkt und Komma über diese unsägliche Situation: Sie wollen schreiben, und es geht einfach nicht. Reagieren Sie sich ab, lassen Sie Ihren ganzen Frust auf dieses scheinheilig weisse Blatt los, hauen Sie in die Tasten, dass es kracht. Bald werden Sie ruhiger und; merken Sie etwas? Sie schreiben. Immerhin! Und manchmal finden Sie dabei plötzlich zu Ihrem eigenen Text. Oder der Text findet Sie; jetzt, wo Sie schon mal am Schreiben sind.

2. Schreiben Sie nicht schön, sondern voran

Pfeifen Sie auf Ihren Auftraggeber. Vergessen Sie die Leser und Leserinnen Ihres Textes. Viele Schreibende fürchten sich vor dem Veröffentlichen, vor dem kritischen Urteil der Chefin, vor der Meinung anderer. Ja. Es ist oft der eigene (zu) hohe Anspruch an Perfektion, der unser Denken verkrampft und den Schreibfluss blockiert. Die meisten Schreibenden – vor allem unerfahrene – erleiden ihre Schreibblockade beim Rohtexten. Warum? – Weil sie nicht wahrhaben wollen, dass sie nur rohtexten. Sie wollen gleich den perfekt gesetzten Satz, Worte für die Ewigkeit, als wären sie von den Musen aufs Blatt geküsst. Vergessen Sie auch das! Ohne harte Überarbeitung ist ein Text fast immer zu schwach für die Veröffentlichung. Schreiben Sie voran, lesen Sie nicht zurück. Suchen Sie nicht nach den richtigen Worten. Nicht jetzt! Schreiben Sie einfach alles auf, egal wie läppisch es ihnen vorkommt. Sie überarbeiten später. Orthographie, Stil, Wortwitz, schlüssige Argumente, Dramaturgie, Logik – das alles ist jetzt so was von egal. Haben Sie den Mut, Abfall zu produzieren. Jetzt geht es nur darum, in den Schreibfluss zu kommen.

3. Mut zur Lücke

Natürlich: Wenn Sie zu wenig über Ihr Thema wissen, wird es schwierig, ins Schreiben zu kommen. Doch sie können sich auch im Recherchieren verlieren. Wenn Sie nach jedem Satz überlegen, ob die Aussage wasserdicht ist und das gleich überprüfen wollen; wenn Ihnen beim Schreiben ein passendes Zitat einfällt, aber Sie nicht mehr sicher sind, von wem es stammt und danach googeln: So werden Sie immer wieder stecken bleiben, im Schreibfluss gestört und nicht vom Fleck kommen. Haben Sie den Mut zur Lücke. Schreiben Sie weiter. Setzen Sie ein Zeichen, das Ihnen beim Überarbeiten zeigt, dass da noch was fehlt, dass diese Quelle noch verifiziert werden soll. Kommentieren Sie Ihr Schreiben; vermerken Sie: «Formulierung schwach», wenn Sie beim Rohtexten unzufrieden sind. Aber halten Sie sich nicht damit auf, nach dem richtigen Wort zu suchen. Die Feinarbeit kommt später. Sie können beim Überarbeiten an Stil und Wortwitz feilen und die Lücken füllen. Der Rohtext muss nicht fertig sein. Er kann nicht, sonst wäre er kein Rohtext mehr.

4. Wenn nichts mehr geht – gehen Sie.

Schreiben ist ein bequemer Beruf, meistens sitzt man und bewegt sich kaum. Es hüpfen zwar die Finger über die Tastatur oder kreist die Hand schreibend übers Blatt. Der Rest des Körpers aber ruht auf dem Stuhl, mehr oder weniger verkrampft. Wenn nichts mehr geht, stehen Sie auf. Gehen Sie spazieren und wenn es nur zur Kaffeemaschine ist. So mancher Gedanke nimmt wieder Fahrt auf, wenn wir uns bewegen. Manchmal lohnt es sich, etwas ganz anderes zu tun. Geben Sie den Blumen Wasser, bügeln Sie die Wäsche, schwingen Sie sich aufs Velo und drehen Sie ein paar Runden oder flanieren Sie durch den Park. Und vergessen Sie Ihr Notizbuch nicht, um neue Ideen immer und überall aufschreiben zu können. Denn sie kommen oft unverhofft. Man muss bereit sein, Geistesblitze einzufangen und aufzuzeichnen, sonst sind manchmal auch die hellsten plötzlich wieder weg und vergessen. Und weil es umständlich ist, im Wald ins Büchlein zu notieren, nutzen Sie doch Ihr Smartphone als Diktiergerät und vertrauen Sie ihm Ihre Ideen an. Sie werden sehen; nach einer halben Stunde bewegter Pause – idealerweise an der frischen Luft – schreibt es sich viel leichter. Konzentriert zu arbeiten ist das eine, zur rechten Zeit eine Pause einzulegen das andere. Die richtige Mischung macht’s aus.

5. Schaffen Sie sich Ihre Schreib-Oase

Schreiben ist oft mühsam und richtige Schwerstarbeit. Darum ist es wichtig, dass Sie sich eine Schreibumgebung schaffen, die so angenehm wie möglich ist. Der richtige Ort zum Schreiben ist nicht unbedingt der Ort, wo Sie analysieren, planen oder Ihre Telefonate und E-Mails abarbeiten. Oft fehlt Ihnen dort auch die nötige Ruhe. Suchen Sie sich Ihren Lieblingsplatz zum Schreiben. Das muss nicht Ihr Schreibtisch sein. Packen Sie Ihren Laptop und gehen Sie hinaus in den Park, in ein Café. Vielleicht gibt es ein freies Sitzungszimmer im Geschäft, wo dieses Bild hängt, das Ihnen so gefällt. Eine Umgebung, in der wir uns wohl fühlen, hat nachweisbar eine positive Wirkung auf unsere Kreativität. Nun gut; wer beruflich schreiben muss, kann vielleicht nicht einfach zwei, drei Stunden lang an den See verschwinden, um eine Arbeit zu schreiben. Dann sorgen Sie wenigstens dafür, dass Sie nicht dauernd gestört werden. Türe zu, gehen Sie offline, leiten Sie Ihr Telefon um. Anregung ist zwar gut fürs Schreiben, doch die ständige Ablenkung durch Ihre Kolleginnen und Kollegen, Telefon, E-Mail, SMS und WhatsApp-Statusmeldungen eher nicht. Ziehen Sie sich für eine gewisse Zeit zurück. Finden Sie heraus, welche Tageszeit die beste für Sie sie, um zu schreiben. Dann planen Sie Ihren Alltag entsprechend. Ihre Schreib-Oase kann ein spezieller Ort sein, sie kann aber auch ein Zeitfenster sein, das Sie sich freihalten, um ungestört zu bleiben.

6. Wenn Sie gar nicht mehr weiterkommen – legen Sie einen Sprint hin

Schreibsprints basieren auf dem Konzept des assoziativen Schreibens: Sie schreiben einfach drauflos, ohne Zensur, möglichst schnell und ohne abzusetzen. Jeder Sprint ist zeitlich begrenzt und eher kurz: 3, 5, maximal 10 Minuten lang. Schreiben Sie frei, alles was in den Sinn kommt. Sie erstellen eine Momentaufnahme Ihrer Gedanken und Gefühle. Das ist ideal, wenn Sie sich nicht auf Ihr Thema konzentrieren können. Durch das Aufschreiben Ihrer Gedanken können Sie sie loslassen. Weil sie aufgeschrieben sind, können Sie sie für den Moment vergessen und sich – wenn nötig – später damit befassen. Aber Sie kriegen den Kopf frei fürs Schreiben. Der Schreibsprint eignet sich auch, um ins Schreiben zu kommen, um sich aufzuwärmen, gleich wie vor dem Jogging.

Natürlich können Sie auch auf Ihr Thema fokussiert einen Schreibsprint hinlegen: Schreiben Sie alles auf, was Ihnen zum Thema einfällt: Rufen Sie ab, was Sie schon wissen und notieren Sie Fragen, Überlegungen, Thesen, Einwände – alles ist es Wert, aufgeschrieben zu werden. Am Schluss werten Sie Ihren Spontantext aus, markieren für sich wichtige Textpassagen und schreiben die Quintessenz darunter. Vielleicht ist es auch eine neue Frage, die sich stellt oder eine neue Erkenntnis, die sich herauskristallisiert. Darüber können Sie erneut einen sogenannten Fokussprint* starten und so immer weiter und tiefer in Ihr Thema vordringen. Vor allem aber: Sie schreiben. Betrachten Sie es als Lockerungsübung, mit der Sie die Schreibblockade lösen und – fast nebenbei – neue Ideen sammeln.


* Ulrike Scheuermann unterscheidet Schreibsprints in ihrem Methodenkoffer zum «Schreibdenken» in Gedanken-, Fokus- oder Seriensprints bzw. Wortsprints» Siehe: «Schreibdenken. Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln» © 2013 Verlag Barbara Budrich, Opladen & Toronto, ISBN 978-3-8252-4052-3

So geht Schreibdenken:
Hier finden Sie Impressionen aus dem Schreibdenken-Workshop.


7. Hören Sie auf zu schreiben

Auch eine Lösung. Wenn Sie Zeit haben, lassen Sie Ihren Text liegen. Schlafen Sie darüber. Vertrauen Sie darauf: Ihr Hirn arbeitet im Hintergrund weiter. Und am anderen Morgen lesen Sie nicht zuerst Ihre Mails, erledigen kein Telefongespräch, sondern wenden Sie sich direkt Ihrem Thema zu. Vielleicht fangen Sie mit einem Schreibsprint an (siehe Punkt 6), vielleicht können Sie sogleich fortfahren, wo sie gestern aufgehört haben. Mir ist es schon oft passiert, dass ich nach so einer Pause den Text innerhalb von wenigen Minuten fertigstellte oder doch entscheidend voranschreiben konnte.

Okay; nicht immer hat man die Zeit, eine Nacht verstreichen zu lassen. Trotzdem: Hören Sie auf zu schreiben. Wenn Sie komplett verkrampft sind und nicht mehr weiterschreiben können, nehmen Sie ein Blatt Papier und zeichnen Sie. Ja! Auch wenn Sie glauben, gar nicht zeichnen zu können: Kritzeln Sie vor sich her, wie man es manchmal am Telefon tut. Skizzieren Sie Ideen, zeichnen Sie in einfachen Linien und Formen. Das müssen keine Meisterwerke sein. Versuchen Sie, Ihre Gedanken bildhaft darzustellen. Verwenden Sie Farbstifte. Ergänzen Sie die Zeichnungen mit Begriffen, verbinden Sie einzelne Darstellungen, die zusammengehören. Nach einer halben Stunde betrachten Sie Ihr Werk: Was auf den ersten Blick wie kindisches Gekritzel aussehen mag, kann sich bei längerem Hinschauen und Analysieren als wertvolles Mindmap erweisen – vielleicht sind spielerisch Clusters entstanden, eine Gedankenskizze. Und wenn Sie auf Anhieb nichts Brauchbares erkennen, so haben Sie sich doch eine halbe Stunde etwas entspannt. Und werfen Sie ja das Blatt nicht weg! Schauen Sie unbedingt später nochmals darauf, vielleicht auch erst nach ein paar Tagen. Manches, was das «innere Kind» spontan aufs Papier bringt, erschliesst sich dem erwachsenen Verstand nämlich erst später.

Schutz vor der Schreibblockade

Halten Sie den Schreibprozess ein und versuchen Sie vor allem nicht, beim Rohtexten perfekt zu sein. Hier entstehen die meisten Schreibblockaden. Rechnen Sie genügend Zeit zum Überarbeiten ein, dann sind Sie lockerer beim Rohtexten. Führen Sie ein Notizbuch und zeichnen Sie spontane Ideen auf. Vor allem, wenn Sie an einem grösseren Projekt arbeiten, werden Ihnen Notizen gute Dienste erweisen. Manchmal hilft es gerade auch bei Schreibblockaden, in den Notizen zu blättern und sich von ihnen inspirieren zu lassen.

Vor allem jedoch: Schreiben Sie regelmässig. Nehmen Sie sich nicht zu viel vor, aber schreiben Sie jeden Tag ein paar Minuten. James Joyce nahm sich vor, jeden Tag 2 perfekte Sätze zu schreiben. Er schaffte meistens mehr, doch das tief gesetzte Ziel senkte die Hemmschwelle, anzufangen, bot viele Erfolgserlebnisse, wenn er sie übertraf und war an schlechten Tagen doch noch relativ leicht zu erreichen. Manchmal muss man sich ein wenig überlisten …

Vor allem die Schreibsprints möchte ich Ihnen sehr ans Herz legen. Integrieren Sie diese kleinen Schreibeinheiten in Ihren Alltag: Sie fördern damit Ihre Schreibkompetenz, erfahren manchmal Überraschendes über sich selber und Sie erkennen, dass Sie eigentlich immer über alles schreiben können. Vielleicht nicht auf Anhieb so gut, dass Sie es veröffentlichen können, aber doch so wertvoll, dass Sie damit weiterarbeiten können.

In diesem Sinne: Viel Freude am Schreiben.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Schreibstaus gemacht? Wie gehen Sie damit um? Schreiben Sie hier Ihre Tipps und Tricks gegen Schreibblockaden.

Vielen Dank fürs Weitersagen.
Foto Schreiberin

Leichte Sprache? – Klare Worte!

„Wenn die Botschaft nicht ankommt, nützt auch die schönste Sprache nichts.“ Die Aussage von Christina Stücheli, Leiterin Kommunikation der Stadt Zürich, kann ich voll unterschreiben. „Sprache ist mehr als Vehikel für Mitteilungen“, schreibt der Philosoph und Publizist Ludwig Hasler. Ja doch; finde ich auch. Aber dort, wo es darum geht, zu informieren oder anzuleiten zählt Klarheit und Verständlichkeit und weniger Stil, Wortgewalt und die Pflege des Reichtums unserer Sprache. Es geht nicht darum, Literatur in „Leichte Sprache“ zu übersetzen. Doch wenn Behörden auf „Leichte Sprache“ setzen, um auch von Menschen mit verminderter Sprachkompetenz verstanden zu werden, ist dagegen doch nichts einzuwenden. Oder?

Klar: Leichte Sprache nach den strengen Regeln ist extrem vereinfacht, nicht schön zu lesen und natürlich beschränkt, wenn man einen Sachverhalt bis ins letzte Detail erklären will. Doch mit einer derart vereinfachten Sprache können wir das Wesentliche klar und verständlich machen – für

  • Menschen mit Lern-Schwierigkeiten
  • Menschen, die nicht so gut lesen können
  • ältere Menschen
  • Menschen, für die Deutsch nicht ihre Muttersprache ist.

Und um diese Menschen geht es beim Konzept der Leichten Sprache.  Leichte Sprache im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hat das Ziel, Menschen mit Leseschwierigkeiten die Teilhabe an Gesellschaft und Politik zu ermöglichen.

Dagegen kann nun wirklich niemand sein, oder?

„Barrierefreiheit“ ist der Ansatz dahinter, der ja auch in anderen Bereichen umgesetzt wird, etwa bei der Gestaltung und Programmierung von Internetauftritten. Es wäre doch eigenartig, wenn man den Aufwand betreiben würde, Internetauftritte technisch aufwendig für Menschen mit einer Behinderung zu optimieren, dann aber Textinhalte anzubieten, die kaum einer versteht.  Oder? >>> Access for all.

Foto Beispiel Leichte Sprache
Beispiel für Leichte Sprache unter www.proinfirmis.ch.

 

Leichte Sprache für die richtigen Zielpersonen

Wenn die Behörden mit einer bewusst einfachen Sprache besser verstanden werden wollen, ist daran nichts auszusetzen; meine ich. Leichte Sprache ist ein Ansatz – und soll bestimmte Zielpersonen im Alltag unterstützen, die aus verschiedenen Gründen Lese- und Verständnisprobleme haben. Ich verstehe die Kritik nicht, Leichte Sprache sei „bildungsfeindlich“. (Interview mit Rainer Bremer in der NZZ). Es geht doch nicht darum, an den Schulen nur noch Leichte Sprache zu lehren oder dass wir dereinst alle nur noch in diesem Stakkato von kurzen Sätzen reden oder schreiben.

Einige Regeln der Leichten Sprache leuchten sofort ein und sind bekannt aus vielen Ratgebern für eine gute, leicht verständliche Schreibe:

  • Kurze Sätze
  • Einfacher Satzbau
  • Kurze, präzise Worte
  • Verben statt Substantive
  • Keine Dopplverneinung
  • Fachbegriffe und Fremdwörter vermeiden oder erklären
  • Aktive statt passive Form
  • Anschauliche Beispiele geben

Und auch wenn es um die Darstellung und Strukturierung der Texte geht, gebe ich in meinen Workshops für Webtexter und Webtexterinnen die gleichen Tipps:

  • Gute Gliederung mit kurzen Absätzen und Zwischentiteln
  • Hervorhebung von wichtigen Stellen (fett)
  • Gut lesbare Schrift (nicht kursiv, serifenlos)
  • Linksbündiger Flattersatz anstatt Blocksatz
  • Guter Kontrast (schwarz auf weiss)

Das alles will Leichte Sprache auch; und ist darüber hinaus mit seinen Forderungen noch etwas radikaler. Doch das ist okay: Sie richtet sich ja auch an ein besonderes Zielpublikum mit konkreten Problemen.

Einfache und klare Sprache – sie dient uns allen

Viele Texte sind schwerfällig, kompliziert, aufgeblasen und schwer verständlich – nicht nur für Menschen mit einer Behinderung. Der Philosoph und Publizist Ludwig Hasler ist auch kein Freund der Leichten Sprache und warnt vor einer „Sprache auf Schwundstufe“.

In seinem „externen Standpunkt“ in der NZZ am Sonntag gefielen mir seine Überlegungen zur „klaren Sprache“. So schrieb er: „Könnte es sein, dass manche von ‚leichter‘ Sprache reden und eine ‚klare‘ meinen? Auch Klarheit macht Sprache leichter – aber aus der Sache heraus; sie arbeitet an der Sache, bis diese selber spricht, unverstellt. Die Erleichterungs-Offerte kümmert sich um keine Sache, sie senkt die Schwelle des Zugangs, verlangt open access, ohnehin das Schlagwort der Stunde, müheloses Andocken an Informationsströme. Vielleicht käme sie ihrem pädagogischen Ziel näher, sorgte sie sich nicht allein um die Leichtigkeit des Empfangs, sondern um die sprachliche Klarheit der Sendung. Da hapert es nämlich, und das ist ein Problem nicht nur für manche mittlere Sprachkompetenz, sondern für die Fitness der Republik.“

Die „sprachliche Klarheit der Sendung“: Ja, darum geht es!

Danach bringt der Publizist ein Beispiel aus der Amtssprache, „eine harmlose Mitteilung, wie sie täglich kursiert“, und macht sich köstlich lustig über den Satz: „Dass längerfristig, primär aus Gründen der demografischen Alterung, ein finanzieller Mehrbedarf droht, hat der Bundesrat nicht in Abrede gestellt.“

Gegen die sprachliche Vernebelung

Doch lustig sind solche Konstrukte gar nicht: „… Stanzwörter, Leerformeln, Nebelpetarden – Information oder doch eher Einschüchterungsprosa? Der Bürger versteht Bahnhof – und hängt ab“, schreibt Hasler und weiter: „Da müssen vielmehr klare Worte her. … Also in einer Sprache, die Laien verständlich wird.“ So will er die Welt beschrieben wissen. Seine Forderung lautet: „Die Behörden sollten mit ihrer Sprache die Wirklichkeit nicht vereinfachen, sondern klarer machen.“

Genau! Und nicht nur die Behörden. Alle, die kommunizieren, informieren, unterrichten und anleiten, sollten sich klar und einfach ausdrücken. Das Ziel muss sein, verstanden zu werden von den Menschen, mit denen man sich austauschen will . (Das fand ich schon bei der Mundart-Debatte, die Peter von Matt 2010 ausgelöst hat. Ich habe darüber geschrieben.)

Einfach, klar und verständlich zu schreiben – in Beruf, Schule oder Studium – sollte uns am Herzen liegen. Doch aufgepasst: Einfach ist einfache Sprache nicht. Vom bekannten Sprachstillehrer Wolf Schneider stammt das Bonmot: „Einer muss sich quälen, der Schreiber oder der Leser“. 


Was denken Sie zum Konzept „Leichte Sprache“? Lassen Sie es mich wissen und schreiben Sie hier Ihre Meinung.


* Zitate
Christina Stücheli:  „Simples Deutsch breitet sich aus“, NZZ am Sonntag, 22.1.2017

Ludwig Hasler: „Wir brauchen klare Worte, keine leichte Sprache“, NZZ am Sonntag, 29.1.2017

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Bild Sprech-/Denkblase

Vom Selbstgespräch zum Schreibdenken

Selbstgespräche sollen ganz hilfreich sein. So motivieren sich etwa Sportlerinnen und Sportler vor dem Wettkampf  oder kurz vor dem Ziel. Andere spielen vor wichtigen Gesprächen den möglichen Dialog durch und schärfen so ihre Argumente. Laufen diese Selbstgespräche stumm ab, wird sich niemand daran stören – und führt man diese „Gespräche“ schriftlich, dann nennt sich das Schreibdenken. Und das bietet noch mehr Vorteile.

Der Psychologe Charles Fernyhough, der an der Durham University in England das Projekt „Hearing the Voice“ leitet, wird in der „NZZ am Sonntag“ vom 22. Januar 2017 zitiert: „Es ist paradox. Laut Selbstgespräche zu führen, ist sehr verbreitet, jedoch tun es die meisten von uns nur, wenn wir allein sind, weil es gesellschaftlich nicht akzeptiert ist.“ Und: „Wir sollten ihnen viel positiver gegenüberstehen.“ Denn laut geführte Selbstgespräche können oft hilfreich sein, wenn schwierige Aufgaben zu lösen sind oder man Klarheit in seine Gedanken bringen will. Bevor wir von unseren Mitmenschen als kauzig angesehen werden, weil wir in Selbstgespräche verwickelt im Café sitzen, durchs Büro oder die Strasse gehen, könnten wir es mit Schreibdenken versuchen. Das hat den Vorteil: Wir stören niemand und können dabei genau so an die „innere Stimme“ anknüpfen. Zudem halten wir die flüchtigen Gedanken auf Papier fest und können später darüber weiter nachdenken.

Braucht es zum Denken überhaupt Worte?

Über diese Fragen streiten Philosophen seit Jahrhunderten. Nein, meint Fernyhough: „Denken ist eine multimediale Erfahrung. Sprache im Sinne von Wörtern spielt dabei eine wichtige, aber noch lange nicht die einzige Rolle“. Das kann ich gut nachvollziehen: Denke ich an meinen letzten Ferien zurück, kommen mir kaum Worte in den Sinn, sondern Bilder; vom Sonnenuntergang, von einer alten Kirche oder einem Marktplatz. Manchmal steigt ein Duft vor meiner „geistigen Nase“ hoch: Von Gewürzen, gebratenem Fleisch oder Fisch auf dem Marktplatz und dann wieder ist es eine Melodie, die mich nachdenklich macht. Multimedial eben.

Doch will ich das Denken fassen – für mich selber oder für andere – sind Worte hilfreich. Auch Fernyhough wendet in seiner Forschung über das Denken unter anderem die Methode seines amerikanischen Kollegen Russel Hurlburt an: Das Descriptive Experience Sampling (DES): Ein Beeper fordert Versuchsteilnehmende immer wieder mit einem Alarm auf, ihre augenblicklichen, spontanen Gedanken aufzuschreiben. Ähnliches tun wir beim Gedankensprint, einer Grundmethode des Schreibdenkens. Wir versuchen zu erfassen und festzuhalten, was wir gerade jetzt denken.

Schreibend sich selber beim Denken zuschauen

„Schreiben veräussert das Denken“ sagt der Psychologe und Schreibforscher Otto Kruse  und nennt weitere Zusammenhänge von Denken und Schreiben:

  • Das Produkt, das auf dem Papier steht, entlastet das Gedächtnis, erlaubt, mehr Elemente einzubeziehen
  • Die langsame Verfertigung der Gedanken beim Schreiben
  • Möglichkeit zur Korrektur/ Bewertung des eigenen Denkens
  • Knowledge-producing statt knowledge-telling
  • Metakognitive Fähigkeiten: Nachdenken über das eigene Denken
  • Schreiben ist ein Fenster, das hilft, in den Denkprozess hinein zu schauen
  • Schreiben erlaubt, den Denkprozess zu verlangsamen und mehr Elemente in die Kalkulation einzubeziehen
  • Schreiben erlaubt interaktives Denken: Nachdenken über die (niedergeschriebenen) Zwischenprodukte des eigenen Denkens
  • Schreiben hat heuristische und hermeneutische Qualitäten: Es ist ein Prozess, in dem wir durch Verwendung von Sprache Wissen oder Erkenntnis produzieren

Quelle: Wissenschaftliches Schreiben und kritisches Denken, Workshop Universität Innsbruck 2001

Den Schreibprozess kommentieren

Aus der Schreibforschung kennt man die so genannten „Think-aloud-Protokolle“. Dabei wurden Schreibende aufgefordert, während des Schreibens alles, was sie sehen, denken, tun und fühlen zu verbalisieren (Think-aloud-Test von Janet Emig). Sie führen also Selbstgespräche beim Schreiben. Der Sinn des Ganzen: Man geht davon aus, dass die gleichzeitige mündliche Kommentierung einer Handlung – hier also des Schreibens – Rückschlüsse auf die prallel ablaufenden kognitiven Entscheidungsprozesse zulässt. So zeigte sich, dass Schreiben eine komplexe Handlung ist. Viele Aktivitäten werden gleichzeitig ausgeführt und behindern sich zum Teil gegenseitig. Darum ist es so wichtig, sich den eigenen Schreibprozess und das eigene Schreibverhalten bewusst zu machen. Ein Beispiel: Beim Rohtexten sollte man sich nicht um Rechtschreibung und Stil kümmern, sondern im lockeren Schreibfluss die Inhalte aufbauen. Das bedingt, dass wir immer genügend Zeit für die Überarbeitung der Texte einplanen sollten.

Übrigens: Die meisten Schreibstaus entstehen in der Rohtext-Phase, weil die Schreibenden hier schon perfekte Sätze bauen wollen, hier schon laufend korrigieren und nach noch besseren Formulierungen suchen. Andere recherchieren beim Rohtexten nach Detailinformation, einem passenden Zitat oder einer Quellenangabe. Schade; damit unterbrechen sie dauernd ihren Schreibfluss, verlieren Zeit und oft den roten Faden, geraten immer mehr unter Druck. Das kann zu einem ausgewachsenen Schreibstau führen. Es lohnt sich, die einzelnen Schritte im Schreibprozess einzuhalten.

Und dazu können Sie sich durchaus im Selbstgespräch überreden: „Jetzt wird einfach mal drauflos geschrieben, René; überarbeiten kannst du später.

Wie machen Sie das? Führen Sie Selbstgespräche? Wenn ja; in welchen Situationen? Und überzeugen Sie die eigenen Argumente? Lassen Sie wissen; ich freue mich auf persönliche Erfahrungen.


Zum zitierten Artikel der NZZ am Sonntag

Vielen Dank fürs Weitersagen.

Happy New 2017: Es wird uns auch nicht dümmer machen

Das Jahr ist noch jung und wir sind alle wieder ein Jahr älter. So ist das im Leben, eben.

Mein damals über 80jähriger Onkel pflegte zu sagen: „Wir alle werden automatisch immer ein Jahr älter und mit jedem Jahr ein wenig dümmer. Gegen das Älterwerden können wir nichts unternehmen, da nützen kein Pulver, keine Crème und auch keine Tabletten. Gegen das Dümmerwerden allerdings kann man etwas tun, aber es ist anstrengend.“

Nun denn. So wollen wir uns anstrengen. Selber denken soll helfen.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein gedankenreiches neues Jahr, immer ein liebes Wort auf der Zunge und dann auch im Ohr, alles erdenklich Gute im Herzen, eine offene, gebende Hand und viel Sinn für das Schöne im Leben.

Bedenkt: Älter werden wir von allein.

Vielen Dank fürs Weitersagen.
Bild Online-Redakteur Schreibszene Schweiz

Schreibszene Schweiz: Neue Online-Redaktoren braucht das Land

Und wieder läuft ein Diplom Lehrgang der Schreibszene Schweiz für angehende Online-Redaktoren und Online-Redaktorinnen. Eine tolle Klasse hat sich da zusammengefunden, um im Hotel Amaris in Olten die 14 Samstage zu absolvieren. Ich bewundere Menschen, die berufsbegleitend noch eine anspruchsvolle Ausbildung angehen. Hut ab!

Spezialistenwissen für angehende Online-Redaktorinnen und Webtexter

Okay; es schaut ja auch was raus dabei. Wenn man von Spezialisten wie Stefan Bommeli, Aurel Gergey oder René Habermacher und anderen Profis wertvolles Fachwissen vermittelt bekommt, lohnt es sich, auch am Samstag aufzustehen. Schliesslich gab es Tipps und Tricks zur Gestaltung von Offline- und Online-Medien, Suchmaschinenoptimierung, technische Grundlagen für erfolgreiche Websites oder Keyword-Analyse und AdWords-Anzeigen und vieles mehr.

Ich durfte die Lektionen Texten fürs Internet und  Content erstellen für den Lehrgang gestalten. Toll, wie engagiert die Teilnehmenden mitmachten. Ich hoffe, dass sie das Beste aus den drei Tagen für sich herausholen konnten.

Für Online-Medien schreiben – eine Disziplin für sich

Klar; beim Texten fürs Medium Internet sollte man sich kurz halten. Sachverhalte klipp und klar auf den Punkt bringen. Doch kurz und knapp heisst eben nicht wenig Text, sondern leicht lesbarer Text in kurzen Sätzen und mit prägnanten Formulierungen. Google empfiehlt pro Inhaltseite rund 400 Wörter. Das ist nicht wenig. Darum braucht es eine übersichtliche Gestaltung und Strukturierung des Textes: Titel, Lead, Absätzen und Zwischentiteln und immer wieder einer Call to Action als Einladung für eine Interaktion. Wo man die Schlüsselbegriffe aus der Keyword-Analyse am besten unterbringt, haben wir auch gleich zusammen geübt und in einer kleinen Projektarbeit angewandt.

Typisch Schreibszene: Lernen und profitieren durch ein konstruktives Miteinander

Alain, Andrea und Janine, Paula, Katrin, Nicole, Natasa und Alina, Malini , Yvonne und Susanna: Euch allen sage ich ein herzliches Dankeschön fürs Mitmachen. Mir hat es Spass gemacht, mit euch zu arbeiten und aus meiner Texter-Praxis ein paar Tipps  mit auf den Weg zu geben.

Kursraum der Schreibszene Schweiz im Hotel Amaris, Olten
Schreibszene zu Gast im Hotel Amaris in Olten

Ich bin davon überzeugt: Die Teilnehmenden eines Workshops oder eines ganzen Lehrgangs profitieren am meisten voneinander. Wir Dozenten können nur Hand bieten und motivieren, selber Wege auszuprobieren. Ihr lernt mehr als vom Dozierenden, wenn ihr die Lösungen eurer Kollegen betrachtet, deren Ideen und Vorschläge analysiert. Und nicht zuletzt lernt ihr durch deren Feedback auf eure eigene Arbeiten. Dazu braucht es natürlich eine vertrauensvolle Atmosphäre im Kurs, den nötigen Respekt voreinander und den nötigen Willen, voneinander zu lernen und miteinander Lösungswege zu finden. Ich habe das Gefühl in eurem Team lebt dieser Geist. Das finde ich wunderbar und hoffe, ihr erlebt das auch so.

Im März geht’s an die Diplomarbeit

Meine drei Tage im Lehrgang sind vorüber, bleibt noch, euch per E-Mail zu unterstützen, wenn ihr mögt. Viel Spass wünsche ich euch in den weiteren Modulen des Online-RedaktorInnen-Lehrgangs der Schreibszene Schweiz und dann natürlich einen erfolgreichen Diplom-Abschluss. Vor allem aber wünsche ich euch immer wieder viel Freude am Schreiben. Und natürlich am Schreibdenken, das wir miteinander kennengelernt haben. Mich nimmt es ja wunder, ob ihr diese wertvolle Denk-, Lern- und Schreibmethoden im Alltag anwendet. Lasst wissen!

Eine Teilnehmerin dieses Schreibszene Lehrgangs schrieb es in ihrer Evaluation:  „Man sieht sich immer zweimal im Leben.“  Ich würde mich freuen.

photo credit: oponaut P1MO  via photopin (license)

Vielen Dank fürs Weitersagen.
Foto Introvertierte Frau

„Jetzt geh doch mal etwas aus dir raus…“

Aufgestellt, gesellig, spontan, risikofreudig und unternehmungslustig – so ist der Idealmensch unserer Zeit: Alphatiere, forsch und laut, in einer schnellen, lärmigen Welt. Die Stillen und Leisen hört man nicht, sie gehen unter und kommen kaum zu Wort. Doch haben sie wirklich nichts zu sagen, die Vorsichtigen, die Nachdenklichen: die Introvertierten?  Im Gegenteil, sagen Psychologen und heute sogar die Ökonomen. Unsere Gesellschaft kann es sich gar nicht leisten, auf die Stärken der Leisen zu verzichten. Kommunikation mit Introvertierten ist also wichtig. Doch wie kommt man dazu, sie aus der Reserve zu locken?

Man kennt die Szene: Ein paar Menschen sitzen zusammen, plaudern, machen Witze, lachen. Nur Peter sitzt da, scheinbar teilnahmslos, schweigend. Ab und zu huscht ein leises Lächeln über sein Gesicht. Er beobachtet die Menschen um sich herum. Alle reden wild durcheinander, erzählen ihre Geschichten und versuchen, einander zu übertreffen mit Ausschmückungen und – vor allem – in der Lautstärke. Peter sitzt da und hört zu. Irgendeiner bemerkt‘s und ruft: „Ach Peter, was bläst du wieder Trübsal. Sag doch auch mal was.“ Peter lächelt. Eine andere stichelt beleidigt: „Das ist unserem ‚Philosophen‘ wohl zu wenig geistreich, was wir hier bereden.“

Und irgendwann kommt sicher dieses unvermeidliche: „Jetzt geh doch mal etwas aus dir raus…“

Still – unnahbar – unglücklich: Der grosse Irrtum

Oft werden stille, in sich gekehrte Menschen als entweder schwermütig oder als uninteressiert, gar arrogant und unnahbar empfunden – wenn man sie denn überhaupt wahrnimmt. Ist er unglücklich? Humorlos? Verklemmt? Warum sitzt er einfach nur da, lacht kaum je laut und spricht so wenig? Oder ist er vielleicht nicht besonders gescheit, dass er sich so gar nicht am Gespräch beteiligt?

Introvertierten begegnet man oft mit Vorbehalt, gar mit Misstrauen: Hat er was zu verbergen; weiss er mehr als er zeigt und rückt nicht raus damit? Schon als Kind und immer wieder im Alltag wird uns Introvertierten – ja; auch ich bin einer – das Gefühl vermittelt, dass etwas nicht stimmt mit uns.

Doch wir sind ganz OK, nur einfach anders: Wir ertragen soziale Kontakte halt nur in kleiner Dosierung und sehnen uns schnell wieder nach Ruhe.

Grossraumbüros sind uns ein Graus, bevorstehende Telefonate bereiten uns körperliches Unbehagen. Small-Talk an Partys oder Networking-Anlässen strengen unendlich an. Wir rauchen allein schon deshalb, damit wir einer Gesellschaft zwischendurch wenigsten eine Zigarette lang entfliehen können. Andere brauchen Stimulierungen von aussen, um sich nicht zu langweilen oder um überhaupt in Fahrt zu kommen. Uns können sie überwältigen, lähmen. Und weil wir ungefragt nur wenig reden, selten jemanden unterbrechen und im Saal meist hinten und nahe beim Ausgang sitzen, nimmt man uns kaum wahr.

Introversion / Extraversion: Eine Frage des Temperaments

Der Psychoanalytiker Carl GustavJung schrieb 1921 erstmals über die „Introversion“ und erklärt sie als Hinwendung der psychischen Energie nach innen, weg von der Aussenwelt. Die extravertierten Menschen nimmt man wahr als aufgeschlossen, gesellig, selbstsicher und risikofreudig – Introvertierte hingegen als ruhig, zurückhaltend, in sich gekehrt. Einen nur introvertierten und nur extravertierten Menschen gibt es nicht, doch bei den meisten ist die eine oder andere Richtung ausgeprägter – und zwar von Geburt an und fürs ganze Leben.

Der grosse Unterschied liegt also in der Quelle, aus der die Menschen ihre Energie gewinnen: Bei Introvertierten liegt sie in der inneren Welt von Ideen, Emotionen und Eindrücken. Die Extravertierten holen ihre Energie eher in der externen Welt – durch Aktivitäten, Menschen, Orte und Dinge. Sie müssen draussen und unter Menschen sein, um aufzutanken; Introvertierte fühlen sich schnell überfordert von äusseren Reizen.

Extravertierte: selbstsicher – aufgeschlossen – normal?

Wir leben in einer Welt, in der die Extraversion das Ideal ist. Doch die Extravertierten sind nur scheinbar in der absoluten Mehrheit. Man nimmt sie nur ganz einfach leichter wahr. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass immerhin ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung introvertiert ist.

Trotzdem: In Stelleninseraten suchen Unternehmen nach Mitarbeitenden, die „kommunikativ, teamfähig, selbstsicher, durchsetzungsstark, offen, dynamisch“ sind. In Kontaktanzeigen hat Vorteile, wer sich als „aufgestellt, gesellig, spontan und unternehmungslustig“ beschreibt. Studien zeigen, dass Menschen, die schnell, viel und laut sprechen, von vielen als klüger und sympathischer, attraktiver und interessanter wahrgenommen werden. Das mag der Grund sein, warum es in unserer extravertierten Welt laute, schnelle und forsche Menschen leichter haben als die Leisen und Zurückhaltenden.

Dabei würde man sich heute wünschen, beim grossen amerikanischen Immobiliencrash und der folgenden Bankenkrise hätten nicht die Schnellsten und Lautesten mit Mut zum Risiko die Richtung vorgegeben, sondern die Vorsichtigen und Stillen, die denken, bevor sie handeln. Und darin sind Introvertierte den Extravertierten definitiv überlegen.

Neues Interesse an den Introvertierten

Und siehe da: In den letzten Jahren haben Forscher tatsächlich den „Wert der Introvertierten“ für die Gesellschaft mehr und mehr entdeckt. Verschiedenste Publikationen zum Thema sind auf dem Markt. Einige Beispiele sind: „Die Macht der Introvertierten – Der andere Weg zu Glück und Erfolg“ (2002), “LeiseMenschen – starke Wirkung“ (2012), „Still. Die Bedeutung von Introvertierten ineiner lauten Welt“ (2013) oder „Die Macht der Stille“ (2015).

Schon allein diese Titel verraten, dass die Autorinnen in der Introversion eine Qualität sehen. Einerseits machen sie den „Intros“ Mut, zu ihrem Persönlichkeitsstil zu stehen, andererseits wollen sie dem „Rest der Welt“ zeigen, wie wichtig es wäre, mehr auf die Introvertierten zu hören.

Beispielsweise schreibt Susan Cain in ihrem Buch „Still.“: „Wenn wir davon ausgehen, dass stille und laute Menschen in etwa dieselbe Anzahl an guten oder schlechten Ideen haben, dann sollte der Gedanke, dass nur die lauteren und energischeren Menschen sich durchsetzen, uns besorgt aufhorchen lassen.“

Doch wie soll man auf Menschen hören, die sich kaum zu Wort melden?

Schreibdenken: Brainwriting anstatt Brainstorming

Wenn es darum geht, kreative Ideen für ein Projekt zu entwickeln oder Lösungsansätze zu sammeln, wird in Unternehmen, an Schulen und Universitäten oft Brainstorming angewendet. Die meisten von uns kennen das: Stichworte werden in die Runde gerufen, spontan und möglichst unzensiert. Die Begriffe werden gesammelt und ausgewertet. Dabei sind es vor allem die Extravertierten, die eine solche Runde prägen, weil das laute, hektische und ungefilterte Rufen von Ideen für Introvertierte in der Regel ein Graus ist und sie ob diesem „Lärm“ meist verstummen.

Bild Wandtafel besser schreiben als reden
Introvertierte schreiben lieber, als dass sie reden.

Schreiben liegt uns Introvertierten eindeutig besser als Reden. Warum also das Brainstorming nicht einmal mit einem Brainwriting ersetzen: Blätter werden in drei Spalten und x Zeilen geteilt. Die Teilnehmenden schreiben in die erste Zeile ihres Blattes drei Ideen zum vereinbarten Thema. Dann werden die Blätter reihum gegeben. Die nächste Person greift die Ideen der ersten auf und fügt in die zweite Zeile drei neue Ideen hinzu. Dann werden die Blätter der nächsten Person gereicht und immer weiter.

Ideen sammeln und Gedanken austauschen

Auch auf diese Weise werden schnell viele wertvolle Ideen gesammelt, jedoch in einer stillen Atmosphäre. Die Erfahrungen in Seminar und Workshop zeigen, dass gerade Introvertierte sich auf diese Art besser einbringen können. Für die übrigen ist es eine willkommene Alternative zum Brainstorming.

Foto Schreibdenken für Introvertierte
Schreibdenken kann die Kommunikation mit Introvertierten erleichtern.

Ein anderes Beispiel, um die Ideen und Gedanken von Introvertierten freizusetzen: Warum nicht eine klassische Diskussion mal durch ein „Schreibgespräch“ ersetzen. Und beim sogenannten „Inkshedding“ werden kurze Texte zwischen den Teilnehmenden ausgetauscht, gegenseitig kommentiert und so ein Thema gemeinsam weitergedacht.

Dies sind nur drei von vielen Methoden, die die Psychologin Ulrike Scheuermann in einem „Methodenkoffer“ unter dem Begriff „Schreibdenken“ zusammengetragen hat. Nicht nur, aber vor allem introvertierten Menschen kommen solche Kreativmethoden entgegen. Damit kann auch das mächtige, oft verborgen bleibende Gedankenpotenzial der In-sich-Gekehrten nutzbar gemacht werden.

An die innere Gedankenwelt anknüpfen

Gerade für Introvertierte ist Schreibdenken hilfreich, um in einem weitgehend extravertierten Arbeitsalltag mit viel Kontakt und mündlicher Kommunikation zwischendurch zu regenerieren. Diese schriftliche Denk- und Lernmethode hilft, sich nach innen zu wenden und dort konzentriert an die innere Sprache und die eigene Gedanken- und Gefühlswelt anzuknüpfen. Introvertierte brauchen das – und Extravertierten schadet es nicht.

So habe ich es mir längst schon angewöhnt auf diese immer gleiche Aufforderung „Jetzt geh‘ doch mal etwas aus dir heraus“, ruhig zu entgegnen: „Jetzt horch doch auch mal etwas in dich rein“. 

Sind Sie der Meinung, dass die meisten Menschen lieber selber reden als anderen zuzuhören? Ich bin gespannt auf Ihre Meinung und Erfahrungen. Lassen Sie hören; oder besser: Schreiben Sie hier darüber.

 

Vielen Dank fürs Weitersagen.
Foto Katze vor Computer

In 10 Schritten zu deinem Blogbeitrag, der begeistert gelesen, geteilt und diskutiert wird.

Blogs sind eine wunderbare Sache. Darin kannst du dein Wissen mit anderen teilen und in Dialog treten mit dir vollkommen fremden Menschen. Deine Infos bringen sie weiter und von ihren Kommentaren lernst du. Das macht allen Freude. Darum willst du unwiderstehlich gut Blogbeiträge schreiben. So dass die Leute sie gerne lesen, immer wieder auf deinen Blog zurückkehren, um zu schauen, was du neues geschrieben hast. Die deine Texte kommentieren und teilen, weil du sie begeisterst. Mit deinen Inhalten, aber auch mit der Art und Weise, wie du schreibst. Und du selber willst natürlich auch Effizienz in deine Schreibe bringen; Qualität ohnehin. Die folgenden 10 Schritte sollen dir dabei helfen, so Blogbeiträge zu schreiben, dass du’s mit Freude tust und andere deine Werke mit Freude lesen. Wenn ich was vergessen habe, lass es mich wissen. Vielleicht braucht es ja 12 Schritte zum ultimativen Blogbeitrag.  

Legen wir los:

1. Brainwriting

Am Anfang lass dein Hirn stürmen. Mach einen Fokussprint zu deinem Thema: Schreibe alles auf, was du über dein Thema weisst, alles was du je darüber gelesen oder gehört hast. Schreib einfach drauflos, ohne Einschränkungen, ohne Beachtung von Stil, Rechtschreibung oder Grammatik. Schreibe alles auf, was dir einfällt, lass es fliessen im Kopf und mache ein Brainstorming oder eben ein: Brainwriting.

2. Recherche

Wenn dir das Brainwriting nicht liegt, dann lass es. Aber einmal ausprobieren solltest du es. Vielleicht brauchst du ein paar Anläufe, bis du auf den Geschmack kommst und dir Nutzen aus diesem assoziativen Schreiben holen kannst.

Wenn nicht, dann beginnst du eben gleich mit Punkt 2: Recherchiere. Sammle Informationen zu deinem Thema, was das Zeug hält. Online und/oder offline. Sei offen und sammle alles, was du zu deinem Thema finden kannst. Mach dir Notizen. Oft blitzen spontan spannende Gedanken auf, kommen dir elegante Formulierungen in den Sinn. Ja nicht verpassen! Schreib sie auf. Mach Notizen. Und wenn du über längere Zeit an einem Text arbeitest, halte immer das Notizheft bereit.

Manchmal finden dich überraschende Ideen unter der Dusche, beim Essen oder auf dem Klo. Gerade wenn du etwas ganz anderes tut, etwas ganz anderes denkt, kommen die Einfälle. Sei bereit, halte sie fest – schriftlich oder sprich sie auf ein Diktiergerät, das heute ja jedes Smartphone auch ist. Und wenn du wichtige Inhalte findest, schreibe die Quelle auf. Denn wenn du zitierst, musst du die Quelle später angeben, das gehört sich so. Also setze Lesezeichen, wenn du beim Googeln auf eine coole Seite triffst, damit du sie später wieder findest. Und notiere Buchtitel, ISBN-Nummer oder den Titel der Radiosendung, die du zum Thema gehört hast. Du wirst das später alles als Quellenangabe brauchen.

3. Struktur erstellen

Jetzt hast du viel Material recherchiert, dir viele Gedanken gemacht, das Wichtige notiert und vielleicht schon erste Sätze formuliert. Das kreative Chaos gilt es jetzt zu ordnen. Versuche, eine Struktur mit Untertiteln zu erstellen und deine Inhalte entsprechend diesen Titeln zuzuordnen. Ordne deine Inhalte in einer logischen Reihenfolge – also wie etwa diese Checkliste. Schreib zuerst nur Titel, Stichworte, nach denen du deinen Text strukturieren willst. Dann hast du am Schluss das perfekte Gerüst. Fast wie ein Formular, das du nur noch abfüllen musst, mit den Inhalten, die du recherchiert, gebrainstormt und notiert hast.

4. Sortieren

Du hast dein „Formular“ ausgefüllt, dein Gerüst mit Inhalten gefüllt. Hoffentlich hast du noch nicht zu sehr am Text gefeilt, sondern nur mal versucht, die Inhalte auf den Punkt zu bringen. Jetzt liest du deinen ersten Entwurf und kontrollierst nochmals, ob alles drin ist, was du hast sagen wollen, ob der Aufbau, die Reihenfolge stimmt, deine Argumentationslinie schlüssig ist. Manchmal lohnt es sich, die Reihenfolge der Abschnitte zu ändern, und sofort baust du mehr Spannung auf. Vielleicht hast du mit einer Aussage begonnen und merkst, dass eine Frage zum Einstieg viel aufregender ist. Probier‘s aus, lass es auf dich wirken und wenn möglich, tausche dich bereits in der Rohtextphase mit einem guten Freund, einer guten Freundin aus. Gut Ding braucht Weile! Streng dich an, lass dir Zeit, und ordne deine Gedanken sauber, damit die Lesenden sich nicht anstrengen müssen. Du kannst das!

5. Erste Überarbeitung

Die Grenzen von 4 zu 5 sind fliessend: Du hast schon geprüft, ob du alles geschrieben hast, was du schreiben wolltest. Du hast die Struktur und den logischen Aufbau schon geprüft und wo nötig verbessert. Jetzt lies einfach mal den ganzen Text durch. Prüfe den Gesamteindruck, den dein Text hinterlässt: Packt er am Anfang, hält er bei der Stange in der Mitte und kann er seinen Eindruck noch vertiefen, die Spannung noch steigern gegen Schluss.

Und nicht vergessen: Bloggen soll keine Einbahnkommunikation sein. Lade deine Leserinnen und Leser ein, deinen Artikel zu kommentieren, sich in die Diskussion einzubringen, die du angezettelt hast: Du kannst davon lernen und dein Blog wird nicht zur Einfrau- oder Einmann-Show, sondern noch spannender durch verschiedenen Meinungen, die ausgetauscht werden.  Auf deiner Plattform. Ist das nicht toll? Du führst die Themen, weil du einen spannenden, lesenswerten und unterhaltsamen, provokativen oder witzigen Input geliefert hast. Hey, das macht Spass. Frag also ruhig am Schluss deines Ratgebers: Und was sind eure Tipps für den ultimativen Blog?

6. Distanz gewinnen (Reflexion)

Zeit zu haben ist doch das höchste Gut im Leben! Schön, wenn du dir die Zeit nehmen kannst, deinen Text ruhen zu lassen. Wenigstens einen Kaffee oder einen Spaziergang mit dem Hund lang. Noch besser, du kannst darüber schlafen. Geht nicht immer, klar. Aber probier‘s mal aus. Sehr oft wirkt der Text aus Distanz ganz anders, als er gestern noch. Manchmal erschreckend banal, manchmal überraschend genial, aber fast immer lässt sich der Text noch verbessern. Man liest ihn anders und stolpert sofort über Ungereimtheiten, gestelzte Formulierungen oder Argumentationsfehler, die man gestern oder vor dem Gassigehen oder wenigsten vor dem Kaffee vielleicht verpasst hätte.

7. Zweite Überarbeitung

Jetzt ist die Zeit reif für eine zweite Überarbeitung. Man hat sich eine Pause gegönnt, im Stillen vielleicht schon das neue kleine Meisterwerk genossen und sich anerkennend über den Kopf gestreichelt und stolz auf die Schultern geklopft. Ist alles in Ordnung. Doch zwing dich jetzt nochmals, kritisch auf deinen Text zu schauen. Jetzt geht es um die Feinheiten. Um Formulierungen, um einzelne Worte, die treffender sein können. Um den Rhythmus deiner Sätze, die Melodie. Ums Kürzen – oja; sei gnadenlos brutal, rücksichtslos gegenüber deinem Text und streiche, was überflüssig ist, was stört. Denk dran: Dein Text darf lang sein, aber niemals langatmig oder gar langweilig. 

8. Einleitung (Lead) und Headline

Jetzt wird’s kritisch. Da wiedersprechen mir bestimmt einige, zum Beispiel Vladi Melnik vom affenblog.de, der bei Sebastian Czypionka einen Gastblog übers Bloggen geschrieben hat: (http://www.bonek.de/anleitung-blogartikel-schreiben/ , abgerufen am 15.4.2016). Weisst du, was bei ihm Punkt 1 ist: „Erstelle eine Überschrift.“

Er schreibt, dass die Headline das Erste sei, was der Leser, die Leserin zu Gesicht bekomme und behauptet – natürlich zu Recht – dass die Überschrift richtig was hermachen muss, um in der Menge von Texten bestehen zu können. Und er empfiehlt, den Titel zuerst zu schreiben, als Versprechen sozusagen, das der Text danach erfüllen muss. Klar. Muss er. Aber den Titel zuerst schreiben? Also ich schaff das nur ganz selten. Natürlich; das Thema ergibt einen Arbeitstitel. Dass der am Schluss noch stehen bleibt, ist unwahrscheinlich. Wenn er das schafft; Chapeau!

Eine gute Formel, die er für das Schreiben einer Headline empfiehlt, möchte ich dir nicht vorenthalten: NDEU-Formel, nennt er sie:

N für nützlich: also soll die Headline Nutzen bieten.

D für dringend: Das Zeit-Element ist immer gut, das kennt man vom Direct-Marketing: Jetzt, heute, nur bis – das wirkt einfach.

E für einzigartig: Auch das kennt man aus der Werbung: Neu, nur für dich – auch das weckt Neugier, macht aufmerksam.

U – für ultraspezifisch (Warum hier nicht einfach ein S für spezifisch steht, erschliesst sich mir nicht ganz 🙂 – Was genau heisst ultra?) Aber was er meint: Sei spezifisch, nicht allgemein. Das kennt man auch vom Direct-Marketing. Sprich deine Leserinnen und Leser so persönlich wie möglich an und schreib eben nicht: Wie man bessere Blog schreibt. Sondern: Wie du bessere Blog schreibst.

Und wie besser du deine Zielpersonen kennst, umso spezifischer kannst du sein: Wenn du beispielsweise direkt Schwinger aus Zürich Höngg ansprichst, dann schreib: „Wie du als Schwinger bessere Blogs für deine Fans aus Zürich Höngg schreibst.“ Ok, du verstehst schon.

Wie auch immer. Bei mir entstehen der definitive Titel und Lead meistens erst gegen Schluss, manchmal schon sehr früh im Schreibprozess, manchmal sehr spontan zwischendurch beim Schreiben. Aber es lohnt sich bestimmt immer, am Schluss nochmals den Titel zu prüfen und Varianten auszuprobieren, bis man den gefunden hat, von dem man wirklich überzeugt ist. Frage auch andere, denn eigentlich zählt deine Meinung gar nicht: Der Köder soll nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch. Oder?

9. Bilder, Links und Quellen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – sagt man; und sag das mal mit einem Bild 😉 – Aber ganz ohne Bilder geht’s auf keinen Fall.

Mit einem passenden, überraschenden Bild kannst du ungemein viel erreichen, vor allem Aufmerksamkeit. Denk nur mal an die provokative Benetton-Schock-Kampagne in den 90er Jahren. War nicht sympathisch, aber sie wirkte.

Suche gute Bilder zu deinem Thema, die es bereichern, nicht einfach dekorieren. Verstärke deine Aussagen mit Grafiken – und gib die Quellen an; ich habe es oben schon erwähnt. Links auf deine Quellen gehören zum guten Ton – und bringen dir auch Beifall von Google – und vielleicht Links zurück auf deine Seite. Alles ganz wunderbar für deine Sichtbarkeit im WorldWideWeb.

10. Korrektorat, Schlusscheck SEO, Kategorie zuweisen

Und nochmals musst du über deinen Text. Bei den ersten beiden Überarbeitungen wirst du den einen oder anderen Tippser korrigiert haben. Doch dort ging‘s um Inhalte, Aufbau, Stil und Formulierungen. Jetzt kommt das eigentliche Korrekturlesen, wo Fehler, die sich bei der leidenschaftlichen Freude am Fabulieren vielleicht (bestimmt!) eingeschlichen haben. Versuch sie zu eliminieren. Lies aufmerksam, diesmal voll auf Rechtschreibung und Tippfehler konzentriert, denn der Rest sitzt ja inzwischen.

Merkst du was? Das ist die dritte Überarbeitung deines Textes. (Ja, Textüberarbeitung ist Knochenarbeit! – Davon habe ich schon geschrieben.) Wenn du dir ganz am Anfang schon bewusst machst, dass du mindestens dreimal deinen Text überarbeiten wirst, kannst du umso befreiter rohtexten, deine Ideen spontan und locker aufs Papier bringen. Alles was da gerade so sprudelt einfach sprudeln lassen. Denn du weisst: Mit strenger Hand wirst du die Gedanken sauber stapeln, am Formalen schleifen, ritzen und feilen bis es passt und am Schluss noch alle Schreibfehler bereinigen.

So kannst du vollkommen locker und losgelöst vom Formalen deine Gedanken wild und voller Fehler und ganz und gar unausgereift auf Blatt bringst, kreativ sein und alles andere als korrekt. Denn das kommt später. Schreibstaus entstehen fast immer in der Rohtextphase und weisst du warum: Weil man dort zu wenig zu spinnen wagt, sondern schon druckreif schreiben will, was doch erst erdacht und erschrieben werden muss und noch lange nicht öffentlich ist.

Ach ja. Suchmaschinenoptimierung gehört natürlich auch zum Blogschreiben. Optimiere deinen Text auf ein, zwei Keywords, platziere sie weise im Titel, in Untertiteln, Links und im Lauftext möglichst früh. Und wenn du mit Kategorien arbeitest, teile dein Werk der richtigen Kategorie zu und vergiss nicht, auf deine alten Blogbeiträge zu verlinken, die thematisch passen. Content-Kuration nennt man das. So manchem alten Artikel, der damals unterging, hat ein zweiter, der auf ihn verwies, neues Leben eingehaucht.

Das PLUS: Veröffentlichen / Aufforderung zum Dialog

Was für ein Moment. Du hast es geschafft. Dein Blogbeitrag steht, du bist zufrieden, hast dein Bestes gegeben. Jetzt ist dein Text nur noch einen Klick entfernt von deinen Leserinnen und Lesern. Vergiss sie nicht, lass sie nicht nur einfach mitreden, sondern lade sie ausdrücklich dazu ein. Es wird auch für dich und deinen Blog zum Vorteil sein:

Call-to-Action! Eröffne die Diskussion. Und reagiere auf die zahlreichen Kommentare, die dein gut geschriebener Blog auslösen wird. Hey, und freu dich über die Veröffentlichung. Das hast du verdient.

Hab ich was vergessen? Lass es mich und die anderen wissen: Was braucht es für den ultimativen Blogbeitrag? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

Vielen Dank fürs Weitersagen.
Foto: Texte überarbeiten

Effektive Textüberarbeitung in 5 Schritten

Texte zu schreiben, ist einfach. Alles, was du tun solltest:

  • Bringe dich in die richtige Stimmung.
  • Schaff eine inspirierende Atmosphäre.
  • Finde dein Thema.
  • Strukturieren die Ideen.

oder

  • Schreibe einfach drauflos!

Auch das geht. Es gibt viele verschiedene Strategien, gute Texte zu verfassen. Wer von der Muse geküsst wird, soll es geniessen und dann mit der Arbeit beginnen. Jedoch: Schreiben ist keine angeborene, vererbte, von Musen, Gott oder weiss ich wem geschenkte Begabung: Schreiben kann man lernen. Am besten durch Schreiben. Denn auch hier gilt: Nur Übung bringt uns weiter.

Sicher ist: Ein Text als Rohfassung ist mit etwas Übung schnell aufs Blatt gebracht. Die grosse Herausforderung kommt danach: Textüberarbeitung.

Jaja, meine Lieben: Schreiben, das klingt nach Musse, Kunst und Kreativität. Texte für LeserInnen fit zu machen, Texte zu überarbeiten, das klingt nach dem, was es ist: Arbeit. Knochenarbeit. Und da hört für viele der Spass wieder auf.

Das muss nicht sein:

Hier sind 5 Tipps, die dir die Textüberarbeitung erleichtern.

1. Drucke den Text aus.

Am Computer oder Laptop zu schreiben ist wunderbar, am Bildschirm zu lesen – mühsam. Kommt hinzu: die Gefahr, dabei Fehler oder Mängel zu übersehen ist gross. Und alle, die schreiben, werden es dir bestätigen: Es ist viel einfacher, einen fremden Text zu beurteilen als die eigene Arbeit kritisch zu betrachten.

Umso wichtiger ist es, wenigstens formal eine Aussensicht einzunehmen. Der Weg zum Drucker lohnt sich. Auf einem Blatt Papier nimmst du deinen Text ganz anders wahr. Du liest aufmerksamer und mit etwas Distanz. (Sie genügt noch nicht ganz; siehe Punkt 2.) Und jetzt nimm den Stift und streiche, ergänze, korrigiere, formuliere um und kürze, kürze , kürze, dass es eine Freude ist. Sei unerbittlich, ja hemmungslos – nur zu, nur zu! Es ist dein Entwurf und damit er zum grossen Wurf wird, braucht es das grosse Jäten (siehe Punkt 5).

2. Schlafe darüber – oder mach zumindest eine Pause.

Nicht immer wirst du die Zeit dazu haben. Doch wenn du kannst: Schaffe zeitliche und sogar örtliche Distanz zu deinem Text. Geh eine Zigarette rauchen oder – wesentlich gesünder – geh aufs Klo. Erledige die Post, ein Telefongespräch oder hol dir einen Kaffee.

Wenn du zurückkehrst, hat dein Geist etwas Abstand genommen und die Augen sind frisch und offen. Sofort entdeckst du umständliche Sätze. Formulier sie um, kürze! – Tippfehler springen dir jetzt ins Auge, unnötige Phrasen stören und du machst dich entschlossen auf, deine Textarbeit zu optimieren.

3. Lese den Text laut.

Die beste Schreibe klingt so glatt wie man gut spricht (das wusste schon Goethe): ohne komplizierte Wendungen, klar, deutlich und direkt. Darum: Lese deinen Text laut. Du wirst schrille Phrasen, gestelzte Wortkonstruktionen, komplizierte Schachtelsätze oder sinnlose Ausschmückungen heraushören und dann – mit Elan! – streichen. Dein Text wird gewinnen und du die Herzen deiner LeserInnen.

4. Versetze dich in dein Publikum

Liebst du Rollenspiele? – Ich auch nicht. – Dabei sind sie oft so hilfreich. Auch bei der kritischen Bewertung deiner Texte. Tue so als ob: Versetze dich in dein Zielpublikum oder noch besser in eine einzelne Person, die du mit deinem Text erreichen willst.

Prüfe aus dieser Publikums-Perspektive:

  • Erfährst du alles, was du vom Inhalt erwarten?
  • Sagst du etwas Neues, das der Leserin, dem Leser Nutzen bringt?
  • Kommt der Text auf den Punkt oder langweilst du dich als LeserIn schon nach dem zweiten Absatz?
  • Macht dir eine Formulierung besonders Eindruck?
  • Erlebst du das „grosse Wow“ oder bleibt der Text nur einfach flau?

Notieren dir deine Gedanken. Lobe dich selbst, applaudiere, freue dich über Gelungenes. Und wo nötig: Ändere, verbessere – und gib so dem Text den letzten Schliff!

5. Sei gnadenlos!

Oh, noch bist du nicht am Ende. Gib dich nicht zu früh zufrieden. Nochmals eine kurze Pause und dann: Auf geht’s; den Stift gewetzt! Glaube mir: Der Text ist immer noch zu lang. Du kannst ihn noch verdichten. Noch findest du Potenzial. 

Das klingt so brutal: Kappe die Worte, vertreibe Floskeln, stutze Silben, zerstückele Schachtelsätze und mach daraus zwei kurze. Textüberarbeitung ist zuweilen wie harte Gartenarbeit: Alles Unkraut muss weg, damit die Blumen zur Geltung kommen. Das Laub gehört in den Kübel, damit der Weg frei ist und die Wiesen zum Flanieren einladen. Hacke dich durch den Text und räume auf – aber gründlich.

Brauchst du ein paar Tipps, wie man das macht? Bitte sehr:

  • Kürze die Absätze – vier bis fünf Sätze sind genug.
  • Komme auf den Punkt und reduziere den Satz aufs Wesentliche.
  • Nutze die Kraft der Verben.
  • Vermeide zu viele Adjektive und Adverben.
  • Kämpfe um den richtigen Begriff und schreibe anschaulich.

„Schreiben ist leicht – man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ So wird der amerikanische Schriftsteller Mark Twain immer wieder zitiert. Ich bin sicher, auch er hat sie nicht beim ersten Schreiben einfach weggelassen. Bei der Überarbeitung erst hat er sie gestrichen oder ersetzt durch die richtigen. Und wenn er dabei auch geschwitzt und geflucht haben mag: Es hat sich gelohnt.  Findest du etwas nicht?

Schreib hier, wie du deine Texte optimierst und das Beste aus ihnen rausholst. Ich freue mich auf deine Inputs.

Vielen Dank fürs Weitersagen.

Workshop Schreibdenken in Oberwil verschoben

Den angekündigten  Workshop „Schreibdenken“ vom 8./9. April in der Freizeitanlage Oberwli mussten wir leider verschieben. Wer sich schon angemeldet hat, wird von Martin Meier der Oberwiler Kurse direkt informiert.

Den nächsten Workshop zum Thema Schreibdenken haben wir auf den 16./17. September 2016 gelegt.

Wer teilnehmen möchte, kann sich ab sofort bei mir unter info@kaufmann-werbung.ch oder direkt bei den Oberwiler Kursen unter info@oberwilerkurse.ch anmelden.

Lesen Sie auch den Erlebnisbericht aus der Freizeitanlage Oberwil:

Wie weiss ich was ich denke, bevor ich gelesen habe, was ich schreibe.

Vielen Dank fürs Weitersagen.